Migräne-Aura-Scan kurz erklärt
Ein Kurzeinstieg für alle, die noch kein Passwort haben und wissen möchten, was der Migräne-Aura-Scan – die Aura-Anamnese der Migraine Aura Foundation – leistet.
Stell dir eine Welt vor, in der du nicht mehr im Wartezimmer sitzt und versuchst, Monate in fünf Sätze zu pressen – sondern mit einem geordneten Bericht über deine eigenen Symptome in die Sprechstunde gehst. Das Gespräch beginnt dort, wo es sonst aufhört.
Das ist das Ziel des MigraineAuraScan – der strukturierten Aura-Anamnese der Migraine Aura Foundation. Doch die Mission braucht mehr als ein Werkzeug: parallel dazu schreiten die Kopfschmerz-Phänotypisierung (aus der Migräne DiGA M-sense, getestet in mehr als 300 Millionen Kopfschmerztagen) und der MigraineBrainRadar™ voran.
Wir bringen drei Dinge zusammen
Im Zentrum steht ein symbolisches KI-Expertensystem. Symbolisch heißt: kein KI-Chat und somit keine Blackbox, sondern nachvollziehbare Regeln auf Basis der ICHD-3-Diagnosekriterien der International Headache Society. Jede Frage, jede Schlussfolgerung ist offen nachvollziehbar.
Als Eingabe braucht dieses System eine Übersetzung – zwischen dem narrativen Erleben der Patientinnen und Patienten und der formalen Sprache der Diagnostik. Diese Übersetzung leistet der reiche Schatz der Stiftungswebseite: über 7.000 Erfahrungsberichte (lese was andere Stimmen dazu sagen), gesammelt seit 1998. An jeder Station des Fragebogens können Betroffene nachschlagen, wie andere Ähnliches beschrieben haben – so wird subjektives Krankheitserleben vergleichbar.
Als Ausgabe entsteht ein automatisierter Konsiliarbericht im Stil eines Telekonsils. Klinisch lesbar in 30 Sekunden, als PDF zur Mitnahme in die Sprechstunde.
Der Kerngedanke
Die Aura-Anamnese verbindet also zwei Welten, die in der Versorgung selten zusammenkommen: das narrative Erleben der Patientinnen und Patienten und die formale Sprache der Diagnostik. Nicht abgefragt – sondern durch die Kriterien geführt.
Daraus folgen drei Verschiebungen:
- Aus Isolation wird Vergleichbarkeit. Was sich einzigartig und kaum beschreibbar anfühlt, bekommt eine Form und einen Resonanzraum.
- Aus Selbstzweifel wird Sprache. Was schwer in Worte zu fassen war, wird zur klar dokumentierten Beobachtung – nicht aus Sicht des Systems, sondern aus der eigenen.
- Aus Konsultation wird Shared Decision Making. Wenn Patientin und Arzt vom selben ICHD-3-basierten Befund ausgehen, beginnt das Gespräch auf Augenhöhe.
Warum symbolische KI – und kein LLM
In der Medizin zählt nicht nur, was ein System ausgibt, sondern warum. Ein Sprachmodell formuliert plausibel, kann aber seine Herleitung nicht garantiert offenlegen. Ein symbolisches Expertensystem schon: Jede Aussage im Konsiliarbericht ist auf die konkret beantwortete ICHD-3-Frage rückführbar – für die Patientin, für den Arzt, für eine zweite Meinung.
Das ist die Wette dieses Tools: dass die Verbindung von kollektivem Erfahrungswissen, formaler Diagnoselogik und einem teilbaren Bericht mehr leistet als jedes dieser Stücke für sich.
Wer tiefer einsteigen möchte: Der ausführliche Beitrag „Der Migräne-Aura-Scan: Das Unerkannte erkennen” erklärt Wirkung, Risiken und Validierung im Detail.