Überblick
William Blakes visionäre Werke – insbesondere The Ancient of Days (Der Alte der Tage, 1794) – haben Spekulationen über einen möglichen Migränebezug ausgelöst, gestützt auf auffällige visuelle Ähnlichkeiten mit Mustern der Flimmer-Aura. Die charakteristische Mondsichelform und die geometrischen Lichteffekte des Bildes erinnern an das Fortifikationsspektrum – die zickzackförmigen Muster, die während einer Migräneaura wahrgenommen werden.

Die Migränehypothese für Blake unterscheidet sich allerdings von Fällen wie dem Hildegards von Bingen: Es gibt keinerlei biografische Belege, autobiografische Schriften oder zeitgenössische Dokumentation, die bestätigen würden, dass Blake tatsächlich Migräne hatte. Die Verbindung beruht in erster Linie auf phänomenologischer Ähnlichkeit – dem visuellen Eindruck seines Werks – und nicht auf medizinischer Quellenlage.
Kunsthistoriker:innen und Neurowissenschaftler:innen haben darauf hingewiesen, dass Blakes Faszination für visionäre Offenbarung und seine wiederholte Darstellung geometrischer Lichtmuster mit Migräneaura-Phänomenen übereinstimmen könnten. Ohne weitere Belege bleibt das jedoch eine spekulative Deutung. Die Kraft von Blakes Visionen – ob neurologisch, spirituell oder rein imaginativ – inspiriert weiterhin die Debatte um die Quellen künstlerischen Genies.