Vor der Leinwand: Wie Migränekunst eine Brücke zum klinischen Verständnis schlägt
Aura ist real — und wie du sie beschreibst, ist wichtig. Migränekunst erfasst, was Worte oft nicht können: Bilder, die von Menschen mit Migräne geschaffen wurden, um eine Aura von innen zu zeigen. Unser Archiv umfasst über fünf Jahrzehnte.
Dieselbe Erfahrung lässt sich auch durch medizinische Kriterien strukturieren und in die klinische Sprache übersetzen. Unsere Symptomkarte gibt sie in ICHD-3-Begriffen wieder — wo positive und negative Merkmale nur eines von sechs Kriterien zur Diagnose der Aura sind. Beide Perspektiven schlagen eine Brücke von der gelebten Erfahrung zum klinischen Verständnis.
„Endlich, nach nun mehr als 15 Jahren, kann ich mich outen. Ich bin ein Aurafreak. Aurakunst kannte ich bisher auch nicht. Schön das es sowas gibt, da kann man es allen anderen mal so richtig zeigen."
Das Konzept der Migränekunst
Obwohl sich Ursprünge bis in die Neurologie des 19. Jahrhunderts
zurückverfolgen lassen, entwickelte Derek Robinson in den 1970er
Jahren das Konzept der Migränekunst als Rahmen für das Sammeln und
Ausstellen künstlerischer Reaktionen auf das Migräneerleben. Diese
Vision bildete die Grundlage für vier nationale Migränekunst-
Wettbewerbe und ähnliche Ausschreibungen in Großbritannien und den
USA. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit in Ausstellungen und
in Publikationen der Laien- und Fachpresse präsentiert und
etablierten die Migränekunst als legitime und geschätzte Ausdrucks-
form.
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Veröffentlichung mit Genehmigung. 2008. © 2008 North Atlantic Books
Ein Buch mit dem Titel “Migraine Art – The Migraine Experience from Within” von Klaus Podoll und Derek Robinson wurde am 24. Februar 2009 von North Atlantic Books veröffentlicht
[siehe hier].
Migräne und Bildende Kunst
Von Hildegard von Bingens Buchmalereien aus dem 12. Jahrhundert, die
ihre Visionen festhielten, über Giorgio de Chiricos metaphysische
Stadtbilder bis zu Yayoi Kusamas punktbedeckten Leinwänden hat das
visuelle Erleben der Migräne-Aura eine sichtbare Spur durch neun
Jahrhunderte westlicher Kunst gezogen. Diese Werke zeigen, wie die
charakteristische Geometrie, die Farbverschiebungen und die
flimmernden Muster der Aura die künstlerische Vorstellungskraft
geprägt – und damit auch beeinflusst haben, wie wir uns
neurologische Erfahrung vorstellen.
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Migräne und Literatur
Dieser Abschnitt stellt literarische Beschreibungen von Migräne aus
den Werken historischer und zeitgenössischer Dichter:innen, Erzähler:
innen und Romanautor:innen vor, ergänzt um migränebezogene
Erzählungen aus Online-Quellen und Selbstbeobachtungen von
Wissenschaftlern wie Marvin Minsky und Oliver Sacks. Die ausgewählten
Texte erkunden Metaphern der Migräne, das Verhältnis zwischen
Migräne und Kreativität sowie die spirituelle Dimension der Aura-
Erfahrung und geben Einblick darin, wie Schriftsteller:innen mit
diesem fesselnden Phänomen gerungen haben.
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Migräne und Musik
Einige der einflussreichsten Musiker:innen der Geschichte litten an
Migräne – vom klassischen Komponisten Gustav Mahler über Elvis
Presley und Jeff Tweedy von Wilco bis hin zur deutschen “Dark
Chanteuse” Alwa Glebe. Haben ihre Migränen ihr künstlerisches
Schaffen geformt? Dieser Abschnitt geht den Leben und Werken jener
Musiker:innen nach, die mit Migräne in Berührung kamen, und fragt,
wie das neurologische Erleben ihre Kompositionen und Performances
beeinflusst haben könnte.
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Aus dem Archiv